Rot zu Gast bei Gelb

Zu Besuch im "Schweinehotel" (von links nach rechts): Josef Gelb senior, Roland Wuchterl, Herbert Woerlein, Tobias Rief, Josef Oberfrank, Dr. Simone Strohmayr, Otto Horntrich und Emmi Herrmann.

03. September 2018

Wo gehen Landwirte auf Verbraucherwünsche ein? Welche Betriebsleiter gehen neue Wege? Wie gehen Tierwohl und Wirtschaftlichkeit zusammen?

Der einzige schwäbische SPD-Vertreter im Landwirtschaftsausschuss des Bayerischen Landtags Herbert Woerlein besucht Höfe mit Betriebsleitern, die ihre Zukunft und damit die Zukunft ihrer Branche aktiv gestalten. Nach Stationen in Dinkelscherben-Ried bei Alois und Wally Meitinger, in Wilpersberg bei Familie Kreppold und in Großaitingen beim Familienbetrieb Alois Wagner stand nun der Hof von Josef Gelb in Steinach auf dem Programm. Wichtig ist Woerlein, dass die Besuche nicht nur von Insidern bestritten werden, sondern dass eine breite Öffentlichkeit daran teilnimmt.

So war das auch bei der Besichtigung des „Schweinehotels“ Gelb, die Otto Horntrich, ein ehemaliger Geschäftspartner der Familie Gelb, vermittelt hatte. Mit Dr. Simone Strohmayr und Herbert Woerlein waren zwei Mitglieder des Landtags dabei. Auch SPD-Politiker, die im Rahmen der Landtags- und Bezirkstagswahl 2018 zur Wahl stehen, waren mit von der Partie: Tobias Rief, Landtagskandidat für Augsburg-Land Nord/Dillingen und Bezirkstagskandidat Roland Wuchterl. Der Großteil der über 20 Gäste, die Josef Gelb und seine Familie mit einem schmackhaften Mittagessen willkommen hieß und somit gleich von der Qualität ihres Schweinefleischs überzeugte, war aber nicht zum politischen Austausch über landwirtschaftliche Themen gekommen, sondern wollte wissen, was hinter der hohen medialen Aufmerksamkeit für die beiden Betriebsleiter Josef Gelb senior und Josef Gelb Junior mit ihrem Konzept steckt.“

Und es spricht für den engagierten und begeisterungsfähigen Landwirt, dass alle auf ihre Kosten kamen. „Ich habe mir überlegt, wie es mit meinem Hof weitergehen soll, und ich kam zu dem Ergebnis, dass ich nicht weiter wachsen will, wie einem in der Beratung immer gesagt wird.“

Für Josef Gelb senior, der mit seinem Sohn, seiner Frau, seinen beiden Töchtern sowie drei Angestellten auf dem Hof gemeinsam zupackt, war schnell klar, dass er die Qualität seines Produktes steigern will. Sein Wunsch, dass es den Tieren möglichst gut gehen soll, fand in einem hellen und geräumigen Stall mit Innen- und Außenbereich seinen Niederschlag. Gelbs Stall ist nicht nur ein Vorzeigeprojekt in Sachen Tierwohl, sondern punktet auch umwelttechnisch: Durch die sofortige Trennung von Kot und Urin durch Gefälle im Güllekanal, durch eine Jaucherinne und Schrapperentmistung werden die Emissionen des Stalls erheblich vermindert.

Besonders beeindruckt war die Besuchergruppe von den Verbesserungen in Sachen Tierwohl: Es gibt Spielzeug für die von Natur aus neugierigen Tiere, bei Hitze steht ein Wasserstrahl zur Abkühlung zur Verfügung und Highlight ist die automatische Stroh-Einstreuung durch ein Rohrsystem von oben. Gerne lassen sich die Schweine davon berieseln, auch werde ein Teil des Strohs gefressen, was sich positiv auf die Darmgesundheit auswirke, so „Hotelchef“ Gelb.

Woerlein will durch die Besuche bei landwirtschaftlichen Leuchtturmprojekten Anregungen für die anderen Landwirte in seinem Stimmkreis bekommen: „Unsere Landwirte brauchen den Rückenwind innovativer Betriebe, nur so können sie sich Alleinstellungsmerkmale erarbeiten, die ihre Position auf dem harten Markt stärken.“ Tobias Rief unterstützt die Forderung Gelbs nach konsequenter Kennzeichnung qualitativ hochwertiger Produkte: „Der finanzielle und zeitliche Einsatz für Umweltfreundlichkeit und Tierwohl rechnet sich nur, wenn gesetzlich geregelt wird, dass Fleisch- und Wurstprodukte so gekennzeichnet werden, dass der Verbraucher weiß, welche Qualität er kauft und in welcher Haltungsform erzeugt wurde.“

Auf das notwendige Umdenken in der Bevölkerung ging Dr. Simone Strohmayr, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag und Mitglied des Bildungsausschusses ein: „Wir müssen unseren Schülerinnen und Schülern nahebringen, dass gesunde Ernährung eine zentrale Rolle in ihrem Leben spielt. Welche Rolle die Qualität von Nahrungsmitteln dabei spielt, kann und muss spielerisch und schülernah vermittelt werden. Nur so wachsen mündige Verbraucher von morgen heran.“

Nach der dreistündigen Führung standen einzelne Gruppen noch lange diskutierend zusammen. Die Worte und Taten der Familie Gelb hatten alle sichtlich beeindruckt.

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