Ein Sozialarbeiter zuständig für über 1.500 Polizeibeamte: „Polizeilicher Sozialer Dienst muss ausgebaut werden!“

Porträtfoto Herbert Woerlein

30. Juli 2018

Polizistinnen und Polizisten sind immer häufiger körperlichen Angriffen ausgesetzt. Neben den körperlichen Folgen müssen die Polizeibeamten auch mit den psychischen Nachwirkungen ihrer Einsätze umgehen. „Hier ist der Freistaat in der Pflicht: Er muss mehr konkrete Unterstützung leisten“, so der schwäbische Landtagsabgeordnete Herbert Woerlein. „Im Polizeipräsidium Schwaben Nord gibt es genau eine Stelle im Polizeilichen Sozialen Dienst. Bei mehr als 1.500 Beamten ist das unverhältnismäßig“.

Bayernweit sind zehn Beschäftigte in 8,5 Vollzeitstellen für die mehr als 20.000 Polizistinnen und Polizisten zuständig, zwei weitere Stellen sind aktuell unbesetzt. „Unsere Polizistinnen und Polizisten sind täglich mit verschiedensten Herausforderungen und Problemen konfrontiert, die sie meistern müssen. Dabei gibt es auch Einsätze, die die eigenen Belastungsgrenzen übersteigen können. Für solche Fälle braucht es eine gute Betreuung“, erklärt Woerlein. „Zudem arbeiten viele im Schichtdienst – das hat natürlich auch Auswirkungen auf das persönliche familiäre und soziale Umfeld. Auch hier kommt es immer wieder zu Situationen, in denen eine gute Beratung und Unterstützung notwendig sein kann“.

Auch die niedrige Eingruppierung der Angestellten im Polizeilichen Sozialen Dienst sieht Woerlein kritisch. „Die meisten Beschäftigten sind in Besoldung E9 eingruppiert, das ist der niedrigste mögliche Tarif. Diese wichtige Arbeit muss auch angemessen bezahlt werden!“.

Hintergrundinfo: Der Polizeiliche Soziale Dienst (kurz PSD) wurde 2003 bei der Bayerischen Polizei eingerichtet. Die Polizeipräsidien und die Bayerische Bereitschaftspolizei können das Angebot zur psychosozialen Beratung nutzen. Neben seiner Hauptaufgabe als Anlaufstelle bei Krisensituationen bietet der PSD auch Beratung beispielsweise über posttraumatische Belastungsstörungen an. Wichtige Aufgabe des PSD ist zudem die Suizidprävention.

Teilen